{"id":7544,"date":"2018-12-22T08:00:14","date_gmt":"2018-12-22T07:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.katzen.de\/magazin\/?p=7544"},"modified":"2018-12-14T15:38:04","modified_gmt":"2018-12-14T14:38:04","slug":"giftige-nacht-ein-weihnachtlicher-coco-katzenkurzkrimi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/giftige-nacht-ein-weihnachtlicher-coco-katzenkurzkrimi\/","title":{"rendered":"Giftige Nacht &#8211; Ein weihnachtlicher Coco-KatzenKurzKrimi"},"content":{"rendered":"<p><strong style=\"font-size: 150%;\">GIFTIGE NACHT &#8211;\u00a0<\/strong><strong style=\"font-size: 125%;\">Ein Coco-KatzenKurzKrimi zu Weihnachten, dem Fest der Liebe<\/strong><br \/>\n<strong style=\"font-size: 100%;\">von <a href=\"https:\/\/katzen-krimi.de\/\" target=\"_blank\">Marianne Kaindl<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Dieser Frau Rabenauer habe ich, Krimi-Katze Coco, die Ermittlerin auf Samtpfoten, schon einmal in die offene Handtasche gepinkelt, weil sie so garstig zum Frauchen war. Als sie k\u00fcrzlich kam, um das Bild zu begutachten, das sie bei ihr in Auftrag gegeben hatte, da verhielt sie sich jedoch richtig nett. Vielleicht, weil es so kurz vor Weihnachten war und an Weihnachten alle Menschen lieb, fr\u00f6hlich und mit P\u00e4ckchen bepackt sind? Man wei\u00df es nicht.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Jedenfalls hatte sie Rebekka, meinem Frauchen, ein h\u00fcbsches weiches P\u00e4ckchen mitgebracht, mit goldenem Glanzpapier umwickelt und mit einer gro\u00dfen Schleife geschm\u00fcckt. Sie hatte sich sogar \u00fcber Julia gebeugt, sie gekitzelt und \u201eGillegille, kleine Maus\u201c gesagt. Rebekkas und Stephans Tochter Julia ist jetzt fast vier, und sie sch\u00e4tzt es \u00fcberhaupt nicht, wenn sich eine intensiv nach Parf\u00fcm stinkende Dame \u00fcber sie beugt, so dass ihr deren Perlenkette ins Gesicht schaukelt, und \u201egillegille\u201c zu ihr sagt.<\/p>\n<p>Frau Rabenauer war schon an der T\u00fcr, als sie mit dem herausr\u00fcckte, was sie eigentlich wollte.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eJa, und liebe Frau Sommerthal, Sie bringen mir dann das Bild p\u00fcnktlich am Heiligabend um 21 Uhr zur Bescherung vorbei, das hatte ich Ihnen ja wohl angedeutet, als ich den Auftrag erteilte, nicht wahr; wir sind im Hotel zum G\u00fcldenen Stern, und damit es ein besonders aparter Auftritt wird, habe ich f\u00fcr Sie ein Serviererinnen-Kost\u00fcm besorgt, wie sie es im G\u00fcldenen Stern tragen, Sie finden es in dem P\u00e4ckchen, das ich Ihnen vorhin gab. Seien Sie p\u00fcnktlich \u2013 ich verlasse mich auf Sie.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas geht \u00fcberhaupt nicht\u201c, sagte Rebekka entschieden. Ich beobachtete aus den Augenwinkeln, dass mein Mitkater Merlin sich an die Rabenauer heranpirschte. \u201eDas geht nun wirklich nicht. Ich feiere Weihnachten mit meinem Mann und meinem Kind, und nat\u00fcrlich mit den Krimi-Katzen, au\u00dferdem kommen Freunde zu Besuch.\u201c<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eNun, das m\u00fcssen Sie selber wissen\u201c, l\u00e4chelte Frau Rabenauer, und ihr Gesicht wurde noch einen Tick freundlicher und g\u00fctiger. \u201eAlso \u2013 ich, ich bin auf dieses Bild nicht angewiesen. Sie aber, Sie sind vielleicht auf Ihr Honorar angewiesen, nicht wahr, meine Liebe? Ich empfehle Ihnen deshalb dringend, p\u00fcnktlich da zu sein. Und ja: Das sch\u00f6nste Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr, das mache ich mir sowieso selbst. Hach, ich w\u00fcnsche mir nichts so sehr wie ein Zimmer f\u00fcr mich allein, das k\u00f6nnen Sie wohl nicht verstehen, nicht wahr, Kindchen.\u201c<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Merlin musste kotzen, doch leider traf er dabei nicht ihre feinen Kalbsledersch\u00fchchen, denn sie hatte sich schon umgedreht und war gegangen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Unser Christbaum sieht v\u00f6llig anders aus als alle anderen Christb\u00e4ume der Welt. Statt Kugeln h\u00e4ngen da Tuben mit feinster Schleckpaste f\u00fcr uns Katzen. Statt Lametta glitzern Spielsachen f\u00fcr Julia, kleine \u00dcberraschungen f\u00fcr Rebekka und h\u00fcbsche Geschenke f\u00fcr Stephan zwischen den Zweigen. In diesem Jahr glitzerte noch viel mehr, denn wir hatten Besuch. Unsere Nachbarn, die Musiker Sarah, Vanessa, Rafik und Kalil, waren her\u00fcbergekommen, nat\u00fcrlich mit meinem Herzenskater Felix und mit Struppi und Wuschel, unseren S\u00f6hnen, die alle drei bei ihnen leben.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Die Katzen hatten noch einen alten Freund mitgebracht, Kr\u00fcmi hie\u00df der. Er war ein h\u00fcbscher Tiger-Mann, und er konnte sehr unterhaltsam erz\u00e4hlen.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Menschen und Katzen hielten sich die B\u00e4uche vor Lachen, als er jetzt von seiner Zeit bei einem Punkerp\u00e4rchen berichtete. Tats\u00e4chlich war es wohl alles andere als komisch gewesen \u2013 er hatte gro\u00dfes Gl\u00fcck gehabt, als er, v\u00f6llig frustriert vom Leben, zu seinem jetzigen Frauchen gekommen war. Die hatte es mit seiner Lethargie aufgenommen, hatte ihm vorgelesen und vorgesungen, mit ihm geplaudert und seine spezielle Begabung gef\u00f6rdert: die Gabe, zu beobachten und die richtigen Schl\u00fcsse zu ziehen.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>W\u00e4hrend Kr\u00fcmi erz\u00e4hlte, beobachtete ich aus den Augenwinkeln meinen schwarzen Mitkater Percy. Sacht und leise war er in den Baum gestiegen und fischte gerade nach einer Tube Lachspaste. Fast hatte er sie erreicht, da verlor er das Gleichgewicht und purzelte mitten hinein in den Spielzeugpferdestall, den das Christkind Julia gebracht hatte. Percy drehte sich, sch\u00fcttelte sich, und unbeeindruckt von seinem Sturz sprang er \u00fcber die Lusitano-Stute mit der roten M\u00e4hne und dem roten Schweif hinweg, deren eingebaute Elektronik sie sofort wiehern machte.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Die Katzen Goldie, Merlin, Rosita und Luca quietschten vor Vergn\u00fcgen, und Timmy und Bela, meine anderen beiden Kinder, die jetzt schon ber\u00fchmte Samtpfoten-K\u00fcnstler sind, verloren vor Lachen das Gleichgewicht.<\/p>\n<p>\u201eNun aber wieder Musik\u201c, schlug Kalil vor, und wir alle sangen und miauten, von ihm und seinen Freunden auf Klavier, Geige, Cello und Oud begleitet, das alte Lied, das \u00fcberall auf der Welt an Heilig Abend gesungen, gemaunzt, gezwitschert und gewiehert wird: \u201eStille Nacht, heilige Nacht, alles schl\u00e4ft, einsam wacht nur das traute hochheilige Paar. Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh.\u201c<\/p>\n<p>So geht es zu bei uns an Weihnachten.<\/p>\n<p>Die alte Uhr, die Stephan von seinem Onkel geerbt hat, schlug achtmal kurz und einmal lang. Viertel nach acht.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eIst nicht um neun die Bescherung von dieser Rabenauer? In dem Hotel da?\u201c, maunzte Kr\u00fcmi.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eIch geh\u2019 da nicht hin\u201c, protestierte Rebekka, kuschelte sich an ihren Mann und griff traumverloren in die Schale mit den k\u00f6stlichen Spitzbuben, Aachener Printen und Nougatw\u00f6lkchen.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eAber wir!\u201c, verk\u00fcndete Merlin. \u201eWer kommt mit?\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p>In der Lobby des \u201eG\u00fcldenen Sterns\u201c, da wo die geschwungene Marmortreppe hochf\u00fchrt zu den Zimmern und Suiten, schl\u00fcpften wir hinter ein paar ausladende samtrote Sofas \u2013 Stammleser unserer B\u00fccher wissen, dass wir Katzen diese Farbe als ein weiches T\u00fcrkis sehen. Dort f\u00fchrten wir einen Katzentanz auf, indem wir senkrecht in die H\u00f6he sprangen und uns im Fallen sch\u00fcttelten. So bekommt man den Schnee am schnellsten aus dem Fell.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Anschlie\u00dfend schlichen wir uns ins Restaurant. Nat\u00fcrlich nicht alle gleichzeitig. Wir sind ja Ermittlerkatzen und haben schon mehrere Mordf\u00e4lle aufgekl\u00e4rt, wir wissen; wie man sich tarnt. Eine Katze nach der anderen glitt hinter die langen Vorh\u00e4nge, unter die Aufbauten des Salatb\u00fcfetts mit den bodenlangen Tischdecken, in die Ecke mit den unbequemen antiken St\u00fchlen aus dem Mittelalter, die nur zum Anschauen und Renommieren da sind, weil man aus denen fast nicht mehr hochkommt.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Wir kauerten da und guckten uns um.<\/p>\n<p>Die Rabenauer hatten wir schnell entdeckt. Sie und ihre Leute sa\u00dfen an einem Tisch am Fenster zum festlich geschm\u00fcckten Innenhof. Alle anderen Tische waren mit dezenten Gestecken aus Tannenzweigen und goldenen Kugeln geziert, diesen aber dominierte ein riesiges Bouquet dunkelroter Rosen.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Ja, richtig. F\u00fcr Katzenaugen samtig-t\u00fcrkis.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Ich sog die Luft ein, aber ich roch die Rosen nicht, obwohl wir inzwischen ganz nah dran waren, direkt hinter den Vorh\u00e4ngen des Innenhof-Fensters. Tannenduft, das schreiende Parf\u00fcm der Rabenauer, dezentere D\u00fcfte anderer Damen an anderen Tischen, Essensger\u00fcche und Schwei\u00df \u2013 und neben mir der vertraute Duft von Felix. Aber kein Rosen-Odeur.<\/p>\n<p>Die Rabenauer sah heute selbst beinah aus wie eine Christbaumkugel, denn sie trug ein langes goldenes Paillettenkleid.<\/p>\n<p>Neben ihr stopfte ein wohlgen\u00e4hrter Herr mit Stiernacken, hellblonden Ringell\u00f6ckchen und lauter Stimme den Nachtisch in sich hinein. Er erz\u00e4hlte Witze, w\u00e4hrend er stopfte, und am meisten lachte er selbst dar\u00fcber. Es war ganz offensichtlich der Mann der Gisela Rabenauer, denn einmal strich sie ihm vom Jackett eine Fluse weg und lie\u00df ihre Hand etwas l\u00e4nger auf seiner Brust als es n\u00f6tig gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Dem Alleinunterhalter gegen\u00fcber hockte in sich zusammengesunken eine Frau im schwarzen Abendkleid, das ihr offensichtlich zu eng geworden war. Fettw\u00fclste beulten sich am R\u00fccken und der Taille, berichtete Rosita, die sich ganz nah an den Tisch gewagt hatte, um nur ja kein Detail zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>\u201eJa, und die Anneli, das war die, die immer am wenigsten Geschenke bekam\u201c, lachte Herr Rabenauer, \u201eund einmal, da warst du dreizehn, nicht wahr, Anneli, oder vielleicht auch erst zw\u00f6lf, da hast du dir selber P\u00e4ckchen gepackt und sie unter den Baum gelegt, nicht wahr, Anneli, und dann hast du zu mir gesagt: \u201aIn diesem Jahr habe ich aber mehr Geschenke als du!\u2019\u201c<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Anneli err\u00f6tete, was f\u00fcr uns Katzen wie erblauen aussieht.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eJa und dann, wei\u00dft du noch, wie es ausging?\u201c, lachte er.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eNein, ich erinnere mich nicht. Und das interessiert sicher auch niemanden hier\u201c, fl\u00fcsterte Anneli. Aber so leise sie auch war \u2013 ihre Augen blitzten gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>\u201eJetzt ist gleich Bescherung. Weihnachten ist so ein sch\u00f6nes Fest, findet ihr nicht\u201c, unterbrach der Herr im nicht mehr taufrischen schwarzen Anzug, der an Annelis Seite sa\u00df und t\u00e4tschelte beruhigend ihre Schulter.<\/p>\n<p>\u201eSei doch endlich still\u201c, fauchte Gisela Rabenauer. \u201eDu bist immer der Gr\u00f6\u00dfte. Das wissen wir schon lange; du kannst dich also entspannen. Die meisten P\u00e4ckchen, die gr\u00f6\u00dfte Jacht, die sch\u00f6nsten Weiber, wir wissen es. In Wirklichkeit steht die Firma kurz vor dem Bankrott. Man darf nur nicht dr\u00fcber reden, nicht wahr? Du bist ein solcher Versager, da fehlen mir echt die Worte. Warum hab ich dich blo\u00df geheiratet, du verdirbst einem sogar den Weihnachtsabend\u201c.<\/p>\n<p>\u201eNun, mein Schatz, das wird schon seinen Grund gehabt haben, warum du mich geheiratet hast\u201c, grinste der Stiernackige und fuhr dann lauthals fort: \u201eDu hast doch \u00fcberhaupt keine Ahnung. Keinen Schimmer einer Ahnung hast du, das war schon immer so. Aber wie die Geschichte ausging, das erz\u00e4hlte ich noch gar nicht. Oder willst du es selber sagen, Anneli? \u2013 Also: Wir alle marschieren recht feierlich ins Wohnzimmer, die Eltern setzen sich auf die Couch, die Anneli quietscht etwas auf der Geige, das jedoch nur eine entfernte \u00c4hnlichkeit mit \u201aStille Nacht\u2019 hat, und dann bekommen wir alle unsere P\u00e4ckchen. Ich kriege f\u00fcnfzehn. Nicht zw\u00f6lf wie im Jahr davor, sondern f\u00fcnfzehn. Weil ich damals n\u00e4mlich drei Freundinnen gleichzeitig hatte, und jede hat mir einen Schal gestrickt, haha. F\u00fcnfzehn. Und die Anneli wusste noch, dass ich im Jahr davor zw\u00f6lf hatte und hat ihre Weihnachtsp\u00e4ckchen auf vierzehn aufgestockt. Haha. Aber ich hatte f\u00fcnfzehn. Das mit den drei Freundinnen, das konnte sie ja nicht wissen. Also hatte ich wieder eins mehr als sie, und sie hat dann den ganzen Abend geheult. Heulst du eigentlich immer noch dauernd? Na, der arme Eugen. Nicht wahr, Eugen, prost, Eugen! Haha! Auf den, der immer alles kriegt, nicht wahr?\u201c. Er hob sein Glas und nickte in die Runde.<\/p>\n<p>\u201eAuf dich\u201c, sagte Anneli trocken.<br \/>\n\u201eAuf dich\u201c, sagte Eugen.<br \/>\n\u201eAuf den, der immer mehr kriegt, als er braucht!\u201c, sagte Gisela Rabenauer. \u201eIch k\u00fcmmere mich mal um die Bescherung, ich bin gleich wieder da.\u201c<\/p>\n<p>Ich glaubte aber, als ich da hinter dem Vorhang sa\u00df und die Szene beobachtete, dass sie sich \u00fcberfressen hatte und jetzt aufs Klo musste, denn sie blieb ziemlich lange weg.<\/p>\n<p>Inzwischen r\u00e4umte ein Kellner das Geschirr ab, schenkte nochmals Wein nach, und eine Servierkraft brachte den Kaffee. Herrn Rabenauer stellte sie einen Sherry hin.<\/p>\n<p>\u201eJa, dann mal los\u201c, schmetterte der. \u201eTrinkt euren Kaffee, die Gisela braucht wieder mal ewig und drei Tage, wahrscheinlich polstert sie sich die Falten auf, und das kann dauern, bei den Landschaften, die sie da hat in ihrem Gesicht, hahahaha.\u201c<\/p>\n<p>Er hob das Glas, er nickte wieder in die Runde; die beiden anderen versuchten zu l\u00e4cheln, was ihnen nur schwer gelang, er kippte den Sherry in einem Zug hinunter \u2013 und im n\u00e4chsten Moment warf er den Kopf in den Nacken, aber er lachte nicht, nein, er r\u00f6chelte, keuchte, patschte sich r\u00f6chelnd auf die Brust, Anneli schrie, Eugen rief nach einem Arzt.<\/p>\n<p>Die Menschen an den Nebentischen sprangen auf. Der Kellner lotste sie in die Lobby, ein anderer rief den Notarzt. Frau Rabenauer kam zur\u00fcck in ihrem goldenen Kleid, und als sie das Desaster sah, da schrie sie: \u201eJetzt macht doch was, er stirbt sonst noch, jetzt macht doch was, Herzmassage, Mund-zu-Mund-Beatmung, jetzt macht doch was!\u201c<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Restaurants eilte herbei und ordnete an: \u201eBeine hoch lagern, Herzmassage!\u201c Noch w\u00e4hrend sie alle diskutierten, was zu tun sei, gerade als von fern das Martinshorn ert\u00f6nte, da h\u00f6rte er auf zu keuchen und sein Kopf fiel nach vorn, auf den Tisch, sein Weinglas kippte um, seine Schwester schrie wie am Spie\u00df.<\/p>\n<p>Merlin, Percy, Felix und Kr\u00fcmi besprachen sich leise hinter dem Vorhang. Rosita, Goldie und Luca schl\u00fcpften unter den Tisch, um n\u00e4her am Geschehen zu sein.<\/p>\n<p>Ich dachte nach. Pr\u00fcfend sog ich die Luft ein, flehmte und dachte nach.<\/p>\n<p>Und noch bevor der Notarzt den Tod festgestellt hatte, den Selbstmord durch Blaus\u00e4ure, weil er noch eine weitere Kapsel davon in der Brusttasche seines Jacketts stecken hatte \u2013 noch bevor der Notarzt den Tod festgestellt hatte, wusste ich, wer Herrn Rabenauer ermordet hatte.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u201eJe t\u2018aime\u201c, hauchte es aus Hauptkommissar Silkowskis Musikanlage, als wir Katzen in seine Wohnung eindrangen. Das war auch gar nicht schwierig, weil der sanfte, s\u00fc\u00dfe Luca mit den treuherzig-blauen Augen ihm bei unserem letzten Besuch im Kommissariat seinen privaten Ersatzschl\u00fcssel geklaut hatte. Man wei\u00df nie, wof\u00fcr man etwas brauchen kann.<\/p>\n<p>Den Hauptkommissar konnten wir zun\u00e4chst nirgends entdecken. Erst als wir die Musik abstellten, kam er aus seiner Lounge. So nennt er das Zimmer mit den vielen Polstern, wo alles rot und schwarz ist. Hinter ihm erschien diese Mara, wegen der ihn Anne, seine Frau, damals rausgeschmissen hat.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eEs war Mord!\u201c, miaute ich. Oh, Himmel, der Silkowski kann doch kein K\u00e4tzisch, und wo ist mein iPad mit dem \u00dcbersetzungsprogramm K\u00e4tzisch \u2013 Menschisch?<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eWo ist mein iPad mit dem \u00dcbersetzungsprogramm K\u00e4tzisch \u2013 Menschisch?\u201c, murmelte ich genervt.<\/p>\n<p>Hinter mir miaute es. Ein tiefes, befehlsgewohntes Maunzen. \u201eNimm meins\u201c, brummte ein gro\u00dfer roter Kater, den ich noch nie gesehen hatte. \u201e\u00dcbrigens, Ari mein Name, Oberinspektor Ari nennt mich mein Frauchen, weil ich der Chef von sechzig Katzen bin. Im Moment mache ich Urlaub am Bodensee. Sechzig Katzen sind manchmal ganz sch\u00f6n anstrengend.\u201c<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eDu machst Urlaub beim Silkowski?\u201c, wunderte ich mich.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eN\u00f6, das nun grade nicht\u201c, grinste Ari. \u201eAber da roch es so verf\u00fchrerisch nach K\u00e4ngurusteak, deshalb bin ich rein. Als er der scharfen Lady die T\u00fcr ge\u00f6ffnet hat.\u201c<\/p>\n<p>Ich nahm das iPad, \u00f6ffnete die \u00dcbersetzungs-App und miaute \u201eEs war Mord!\u201c<br \/>\nDann sprang ich auf die Musikanlage und hielt es Silkowski unter die Nase.<\/p>\n<p>\u201eOh, Coco, nicht du schon wieder!\u201c, st\u00f6hnte er. \u201eGeh\u201a sofort da runter! Die Anlage hat mich mehr als zehntausend Euro gekostet. Wie oft hast du mir schon so ein Ding vors Gesicht gehalten, auf dem stand \u201aEs war Mord\u2019? Heute ist Heiligabend! Verschwinde, du siehst doch, dass ich besch\u00e4ftigt bin.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs war Mord, und die M\u00f6rderin hei\u00dft Gisela Rabenauer\u201c, miaute ich ins iPad und zeigte es Silkowski.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>In dem Moment ging sein Handy. Sein Diensthandy.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eWas? Ein Herr Rabenauer? DER Rabenauer? Ja, und was soll ich da? Blaus\u00e4ure? Selbstmord? Mann, Leute, meint Ihr, ich kann den wieder aufwecken? Meint Ihr, der l\u00e4uft uns noch davon? Lasst mich doch wenigstens am Heiligabend zufrieden!\u201c<br \/>\nEr warf das Handy auf den Tisch und sank auf die Couch. Mara setzte sich auf ihn und vergrub ihren Kopf zwischen seinen Beinen. Er begann schon wieder, zu schmatzen und zu st\u00f6hnen. Es war also h\u00f6chste Zeit, etwas zu unternehmen.<\/p>\n<p>\u201eLos geht\u2018s!\u201c, miaute ich dem fremden Kater zu, der der Boss in einem Haushalt mit sechzig Katzen ist.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Ich biss den Silkowski in den rechten gro\u00dfen Zeh, und aus seinem amour\u00f6sen Keuchen wurde augenblicklich ein urzeitlicher Schrei. Mara fuhr hoch. Ari, der Kater, setzte sich auf den Tisch vor den Hauptkommissar und miaute mit einer Autorit\u00e4t, \u00fcber die selbst ich nicht verf\u00fcge: \u201eDu ziehst dich jetzt sofort an, gehst in den \u201aG\u00fcldenen Stern\u2019 und verhaftest diese Frau!\u201c<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Und zu meiner gro\u00dfen Verbl\u00fcffung stand Silkowski auf, obwohl er doch K\u00e4tzisch gar nicht versteht, schob Mara beiseite, zog sich eine schwarze Hose und einen beigen Rollkragenpulli an und wandelte wie fremdgesteuert zur T\u00fcr.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Erst im Auto, in seinem Angeberschlitten, auf dem mit Leder bezogenen Beifahrersitz, der f\u00fcr Katzen eigentlich tabu ist, konnte ich dem Hauptkommissar erl\u00e4utern, wieso es kein Unfall war und auch kein Selbstmord, sondern Mord.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>Die Kommunikation mit ihm l\u00e4uft leider immer etwas schleppend, aber es geht so einigerma\u00dfen mithilfe dieser \u00dcbersetzungs-App.<\/p>\n<p>Rabenauer hatte ein Blaus\u00e4uregemisch im Sherryglas gehabt. Das hatte ihn umgebracht. Selbstmord. Frau Rabenauer war zu diesem Zeitpunkt drau\u00dfen gewesen, die Bescherung vorbereiten. Das dachten zumindest alle.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit aber hatte ihr aufdringliches Parfum meine feine Nase gekitzelt, ich hatte es nur nicht sofort registriert, dass da etwas nicht stimmte. Dieses Parf\u00fcm hatte mich umweht, als die Servierdame den Kaffee und den Sherry gebracht hatte. Der Kellner war echt gewesen, die Serviererin aber nicht. Und weil niemand mitten im Gespr\u00e4ch auf die Bedienung achtet, die ihm den Sherry hinstellt, hatte sie es ganz unproblematisch geschafft, ihm den Gifttrunk unterzujubeln.<br \/>\n\u201eJa, und gleich, nachdem wir angekommen waren, sah ich, dass sie ihm einen Kr\u00fcmel vom Jackett wischte; da hat sie vermutlich die Blaus\u00e4urekapsel in seine Brusttasche geschmuggelt\u201c, miaute Kr\u00fcmi, der Kr\u00fcmel- und Beobachtungs-Experte.<\/p>\n<p>Dass wir Katzen recht hatten und dass sie sogar noch unser Frauchen da mit hineinziehen wollte, das stellte sich bei der Befragung im Kommissariat heraus. Silkowski vernahm sie noch in der Nacht, und wir Krimi-Katzen unterst\u00fctzten ihn, indem wir ihm schlaue Fragen soufflierten. Zum Beispiel die, was sie gemacht h\u00e4tte, wenn das mit der Verkleidung aufgeflogen w\u00e4re.<br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span>\u201eNun\u201c, sagte sie charmant l\u00e4chelnd, \u201eseine Schwester Anneli eignet sich hervorragend als Tatverd\u00e4chtige, finden Sie nicht? Und da w\u00e4re auch noch Rebekka Sommerthal gewesen, eine wunderbare Verd\u00e4chtige. Denn Punkt 21 Uhr, da wollte sie ja erscheinen, verkleidet als Servierdame, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>Man muss es sagen: Dieser Weihnachtsabend verlief ganz sicher nicht so, wie Gisela Rabenauer ihn sich vorgestellt hatte, und wir Katzen waren daran nicht ganz unbeteiligt. Aber einer ihrer W\u00fcnsche, nun, der erf\u00fcllte sich uneingeschr\u00e4nkt: Sie bekam erst einmal ein Einzelzimmer. Mit Blick auf den Gef\u00e4ngnis-Innenhof.<\/p>\n<p>\u00a9 by Marianne Kaindl<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/katzen-krimi.de\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7550\" src=\"https:\/\/static.katzen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/weihnachten_2018.jpg\" alt=\"B\u00fccher von Marianne Kaindl\" width=\"600\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/weihnachten_2018.jpg 960w, https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/weihnachten_2018-200x200.jpg 200w, https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/weihnachten_2018-400x400.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<div style=\"text-align: center; margin-top: 30px;\">\n<h2 style=\"display: inline; width: 100%; font-size: 200%; text-align: center;\">Marianne Kaindl und katzen.de<br \/>\nw\u00fcnschen euch und euren Fellnasen<br \/>\nwundersch\u00f6ne Weihnachtsfeiertage!<\/h2>\n<p style=\"text-align: center;\">M\u00f6chtet ihr mehr von Marianne Kaindl lesen,<br \/>\nempfehlen wir euch w\u00e4rmstens folgende B\u00fccher:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\"><strong style=\"font-size: 130%;\">Sechs Katzen und ein Todesfall<br \/>\n<\/strong><em><em>Erh\u00e4ltlich als\u00a0<a href=\"https:\/\/amzn.to\/2LiOs89\" target=\"_blank\">ebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2QQ7nwt\" target=\"_blank\">Hardcoverband<\/a>.<\/em><\/em><br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: left;\"><strong style=\"font-size: 130%;\">Das Verm\u00e4chtnis des Hypnotiseurs<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-size: 120%;\">Der zweite Coco-KatzenKrimi<\/span><br \/>\n<em><em>Erh\u00e4ltlich als <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2BjV6qp\" target=\"_blank\">ebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2zXJdqh\" target=\"_blank\">Hardcoverband<\/a>.<\/em><\/em><br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: left;\"><strong style=\"font-size: 130%;\">Nazi-Allergie<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-size: 120%;\">Der dritte Coco-KatzenKrimi<\/span><br \/>\n<em><em>Erh\u00e4ltlich als\u00a0<a href=\"https:\/\/amzn.to\/2BiVxkH\" target=\"_blank\">ebook<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/amzn.to\/2BiVbdR\" target=\"_blank\">Hardcoverband<\/a>.<\/em><\/em><br \/>\n<span style=\"display: inline-block; width: 25px;\">\u00a0<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: left;\"><strong style=\"font-size: 130%;\">Leserkatzen \u2013 Krimi-Helden<br \/>\n<\/strong><em>Erh\u00e4ltlich als\u00a0<a href=\"https:\/\/amzn.to\/2Lfw7sJ\" target=\"_blank\">Taschenbuch<\/a>.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GIFTIGE NACHT &#8211;\u00a0Ein Coco-KatzenKurzKrimi zu Weihnachten, dem Fest der Liebe von Marianne Kaindl Dieser Frau Rabenauer habe ich, Krimi-Katze Coco, die Ermittlerin auf Samtpfoten, schon einmal in die offene Handtasche gepinkelt, weil sie so garstig zum Frauchen war. Als sie k\u00fcrzlich kam, um das Bild zu begutachten, das sie bei ihr in Auftrag gegeben hatte,&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7548,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,451],"tags":[589,291,588,434],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7544"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7544"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7544\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7564,"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7544\/revisions\/7564"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7548"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7544"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.katzen.de\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}