Thema: Kastration - grausam, unnötig und egoistisch?
Beitrag von: Emel am 08.02.2010 - 10:10 Uhr
Hallo an alle,
Ich hoffe, das Thema gibt's nicht schon. Habe über die Suchfunktion erstmal nichts finden können, muss aber auch sagen, dass eeeeendlos Beiträge angezeigt wurden, auch bei Einschränkung der Suche auf Threadtitel und Forum, so dass ich natürlich nicht in alle reinlesen konnte (da säße ich morgen noch da).
In Bezug auf Katzen bin ich eigentlich strikt FÜR Kastration. Meiner Meinung nach einfach, weil
a) bei Katzen früher oder später eine Dauerrolligkeit fast garantiert ist, wenn sie nicht gedeckt werden (war bei jeder unkastrierten nicht gedeckten Katze, die ich je kannte so!) und das sehr gesundheitsschädlich ist bzw zum Tod führt.
b) bei Katern Markierverhalten auftritt, welches man meiner Meinung nach ohne Kastration eigentlich nicht in den Griff bekommt - was wäre die Alternative? Keine (männlichen) Katzen mehr ins Haus lassen? Nur noch Draußenhaltung? Na super...
c) mir die explosionsartige Vermehrungsrate von Hauskatzen und die damit verbundenen, unzähligen Probleme bestens bekannt sind... um einige zu nennen: Überfüllung der Tierheime, das ewige "wohin mit den vielen Kitten" bis zu erschlagenen, ertränkten und sonstwie getöteten Katzenwelpen.
Nun stoße ich doch bei meiner Aktivität im Hundeforum auf gänzlich andere Meinungen. [URL=http://www.haustiere.de/forum/thread.php?threadid=43551&hilight=kastration]Link
(Siehe vor allem die Beiträge von Thallus)
In Bezug auf Hunde (im Falle normaler Haltung wie sie in einem normalen Hundehaushalt in Deutschland meistens passiert) bin ich auch der Meinung, dass eine Kastration meistens nicht sein muss und man dem Tier unnötige Schmerzen und Stress ersparen kann, indem man ein paar einfache Dinge beachtet und einhält. Bei Straßenhundebeständen in Spanien etc mag das wieder ganz anders sein, klar. Und ich weiß auch nicht, wie wichtig der Geschlechtstrieb für ein normal ausgeprägtes Sozialverhalten beim Rudeltier Hund im Endeffekt ist. Vielleicht spielt er ja doch eine essentielle Rolle. Aber zurück zum Thema: Katzen. Im verlinkten Thread sind ja Ansichten aufgeführt, die sich nicht nur auf Hunde beziehen, sondern eben allgemein auf das Thema Katration von Haustieren.
Mich würde mal interessieren, was ihr so dazu sagt? Klar ist kastrieren ein Entfernen gesunder Geschlechtsorgane. Aber was wäre denn die Alternative? Und kann man bei dem Haustier Katze, das über Jahrtausende domestiziert wurde, überhaupt noch von Natürlichkeit anfangen?
Für mich klingt das erstmal - bitte nicht in den falschen Hals kriegen - nach utopisierendem pseudo-moralischem Gerede, wie man es von einigen Extremen (Hardcore-Veganer und Ähnliche) kennt.
Aber mich interessiert eure Meinung. Und wenn es tatsächlich Alternativen gibt und man den Katzen damit Stress und Schmerz ersparen kann, bin ich natürlich interessiert
Beitrag von: *Minnie* am 08.02.2010 - 12:07 Uhr
Hallo,
im Hundeforum hab ich mich auch schon durchgelesen und mir die Argumente näher angeschaut.
So wie ich es jetzt mitbekommen habe, sind es absolut andere biologische Vorraussetzungen. Wenn meine Katze "nur" ein oder zweimal im Jahr bluten würde, sonst aber nichts groß passiert, würde ich sie auch nicht kastrieren, sondern höchstens sterilisieren lassen. Da sag ich mir auch, immer nur so viel wie nötig.
Moralisch gesehen könntest du es wirklich bis ins Unendliche diskutieren, ob man die Katzen für die menschliche Haltung "grausam verstümmeln, ausräumen, vermetzgern" (Ton kommt dir ja bekannt vor ) darf.
Aber solange Tiere für niedere Beweggründe (Fleischgenuss) kastriert(meist sogar ohne Betäubung), eingepfercht und massenhaft geschlachtet werden, damit diejenigen, die am lautesten schreien, ihr täglich Fleisch und Wurst haben, diskutier ich da doch gar nicht drüber.
Beitrag von: hascherl84 am 10.02.2010 - 12:23 Uhr
Hallo,
kapier ich grad nicht.
Was spricht gegen Kastration?
Ist dir lieber wenn man die Jungen umbringt oder aussetzt?
Und was schmerzen betrifft.
Die haben einen Tag lang Schmerzen dann ists vorbei.
Weis ich jetzt nicht wo dein Problem liegt.
aber naja.jeden dasseine.
Beitrag von: Skandalette am 10.02.2010 - 14:58 Uhr
ok, also bei hunden haben wir völlig andere vorraussetzungen. hündinen haben völlig andere vorraussetzungen, diese probleme,die du oben für katzen geschildert hast, existieren so in der krassen art beim hund nicht.
einen katration für hunde wird vorgeschlagen, weil:
- bei den weiblichen die für den menschen anstregende läufigkeit entfällt
- untersuchungen besagen, dass hunde die vor der ersten bzw zweiten läufigkeit signifikant weniger an gesäugetumoren erkranken
- eine pyometra so ausgeschlossen werden kann (gibts danach ja nciht mehr)
- die hündin leichter erziehbar und verspielter ist...
(- der ta gutes geld daran verdient)
bei den rüden ist es ähnlich, hauptbweggrund ist mE für die meisten, dass er dann ja ach so leichter erziehbar ist und alle vorherigen probleme wie weggezaubert sind.
insofern bin ich auch ein wirklich strikter gegener der kastration beim hund, solange keine wirklich medizinische indikation dafür vorliegt.
und für katzen muss ich sagen, kann ich mir keine alternative vorstellen, auch wenn es traurig klingen mag
Beitrag von: Susa65 am 10.02.2010 - 17:16 Uhr
Zitat: Original von Emel:
Mich würde mal interessieren, was ihr so dazu sagt? Klar ist kastrieren ein Entfernen gesunder Geschlechtsorgane.
Kastration bedeutet ja nicht, dass "nur" gesunde Körperteile entfernt werden (wie ein Finger z.B.), sondern es wird darüber hinaus massiv in den Hormonhaushalt eingegriffen. So ein Spaziergang ist das also auch nicht und hat auch nix mit Pseudio-Moral zu tun. Ich finde, man sollte sich als Mensch schon in ganzer Tragweite bewusst sein, was er man mit Tieren veranstaltet und dass das zu seinem reinen Eigennutz dient.
Zitat:
Original von Emel:
Aber was wäre denn die Alternative?
Möglich wäre die Sterilisation, aber bei Katzen geht das wohl nicht generell - auch wenn es nicht prinziell zu einer Dauerrolligkeit kommen muss. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass weibliche Katzen nur sterilisiert wurden - und da war keine dauerrollig.
Falls es nicht ohne Kastration geht, dann finde ich das auch nicht besonders toll ... aber es gibt dann wohl nichts anderes.
Die allerbeste Alternative für das Tier wäre es wohl, der Mensch würde damit aufhören, sich Tiere zum reinen Eigennutz zu halten und würde der Natur freien Lauf lassen. Dass DAS eine Utopie und vor allem nicht von jetzt auf nachher durchführbar ist, ist mir natürlich klar. Aber rein vom Prinzip her stehe ich aber dazu, dass Tiere ein Recht auf ein freies Leben haben sollten, so wie es von der Natur vorgesehen ist.
Man stelle sich nur mal vor, es würde ein dem Menschen übergeordnetes Wesen auftauchen und das mit uns veranstalten, was wir den Tieren antun?
Zitat: Original von Emel:
Und kann man bei dem Haustier Katze, das über Jahrtausende domestiziert wurde, überhaupt noch von Natürlichkeit anfangen?
Ich schon
Und ich persönlich mag mir keine Tiere mehr halten, die ich kastrieren muss, damit es funktioniert.
Beitrag von: *Minnie* am 10.02.2010 - 18:13 Uhr
Zitat: Original von Susa65
Man stelle sich nur mal vor, es würde ein dem Menschen übergeordnetes Wesen auftauchen und das mit uns veranstalten, was wir den Tieren antun?
Hatten wir doch schon, das haben Menschen ihren Mitmenschen angetan. Nur war es dann beim Menschen auch ein Bewusstseinsproblem, andere Menschen haben gewusst, dass der Kastrat ein Kastrat war und der Kastrat war sich seiner Verstümmelung und der damit verbundenen Einschränkung (und vermutlich auch Ausgrenzung) voll bewusst. Und die Gedankengänge dazu waren bestimmt nicht angenehm, wenn man tagtäglich über seine Verstümmelung nachdenken musste.
Und die Gründe dafür, Männer im Knabenalter zu kastrieren, waren menschenverachtend, beim Tier steht ja ein Tierschutzgedanke dahinter.
Beitrag von: Susa65 am 11.02.2010 - 07:31 Uhr
Zitat: Original von *Minnie* Zitat: Original von Susa65
Man stelle sich nur mal vor, es würde ein dem Menschen übergeordnetes Wesen auftauchen und das mit uns veranstalten, was wir den Tieren antun?
Hatten wir doch schon, das haben Menschen ihren Mitmenschen angetan. Nur war es dann beim Menschen auch ein Bewusstseinsproblem, andere Menschen haben gewusst, dass der Kastrat ein Kastrat war und der Kastrat war sich seiner Verstümmelung und der damit verbundenen Einschränkung (und vermutlich auch Ausgrenzung) voll bewusst. Und die Gedankengänge dazu waren bestimmt nicht angenehm, wenn man tagtäglich über seine Verstümmelung nachdenken musste.
Und die Gründe dafür, Männer im Knabenalter zu kastrieren, waren menschenverachtend, beim Tier steht ja ein Tierschutzgedanke dahinter.
Beim Menschen stand auch schon mal ein Schutzgedanke dahinter, indem man "nicht lebenswertes Leben" ausrotten und nur noch gesunde, robuste, schöne Menschen haben wollte.
Ein Tier ist sich auch bewusst, dass es ein Kastrat ist und spürt die Ausgrenzung durch Artgenossen. Außer es wird im Haus nur unter Kastraten gehalten, aber ob es sich da wirklich wohl fühlt?
Ich denke mal, dass wir Menschen uns ganz vieles schön reden und damit abtun, dass es den Tieren nichts ausmacht, was wir mit ihnen veranstalten. Anders wäre es wahrscheinlich auch gar nicht auszuhalten.
Beitrag von: *Minnie* am 11.02.2010 - 14:07 Uhr
Zitat: Original von Susa65
Beim Menschen stand auch schon mal ein Schutzgedanke dahinter, indem man "nicht lebenswertes Leben" ausrotten und nur noch gesunde, robuste, schöne Menschen haben wollte.
Das basierte wohl eher auf krankhaftem Wahn und du wirst den Tierschützern wohl nicht die gleichen Gedankengänge und absurden Vorstellungen eines bescheuerten Österreichers unterstellen wollen.
Zitat: Original von Susa65
Ein Tier ist sich auch bewusst, dass es ein Kastrat ist und spürt die Ausgrenzung durch Artgenossen. Außer es wird im Haus nur unter Kastraten gehalten, aber ob es sich da wirklich wohl fühlt?
Das schon, aber es wird kein "ätsch, du hast keine Eier mehr" oder "du bist jetzt ne Schwester" zu hören bekommen
Auch kein Druck "hat man schon, kann man noch und vor allem wie oft "
Meine kommen prächtig miteinander aus und schmusen den ganzen Tag miteinander - ob das jetzt natürlichem Verhalten entspricht, sei mal dahingestellt, aber von Tierquälerei scheint es mir doch noch weit entfernt zu sein.
Und Hunde haben nochmal ein anderes Sozialverhalten als Katzen.
Zitat: Original von Susa65
Ich denke mal, dass wir Menschen uns ganz vieles schön reden und damit abtun, dass es den Tieren nichts ausmacht, was wir mit ihnen veranstalten. Anders wäre es wahrscheinlich auch gar nicht auszuhalten.